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16.1.

Mara-Cassens-Preis an Sasha Marianna Salzmann

»Außer sich« wird als das beste deutschsprachige Romandebüt des Jahres 2017 ausgezeichnet

77 Bücher galt es zu lesen sowie zu bewerten. Denn es ist wieder soweit: Wir läuten das neue Lesungsjahr mit der feierlichen Preisverleihung des Mara-Cassens-Preises ein. Der 1970 von der 2015 verstorbenen Stifterin Mara Cassens ins Leben gerufene Preis hat bereits zahlreichen Autorinnen und Autoren­ ermöglicht, sich nach ihrem Romanerstling weiter voll und ganz auf das Schreiben zu konzentrieren, ohne sich dabei von finan­ziellen Nöten zu sehr beeinflussen zu lassen. Erneut waren die Verlage aufgerufen, deutschsprachige Debütromane einzureichen. Der Preis wird als einziger deutschlandweit von einer ehrenamtlichen Leserjury vergeben, die sich jedes Jahr aus 15 Mitgliedern des Literaturhaus-Vereins zusammenfindet. Es ist eine verantwortungsvolle und spannende Aufgabe für die Jurymitglieder, den besten Roman herauszulesen. Immerhin ist es mit € 15.000 der bundesweit höchst­dotierte Literaturpreis für ein Romandebüt.

Wer sagt dir, wer du bist? Weil der Roman schonungslos Gewissheiten hinterfragt, fiel die Entscheidung für den Mara-Cassens-Preis 2017 auf »Außer sich« von Sasha Marianna Salzmann. Das Buch erzählt von den Zwillingen Ali und Anton, die als Kleinkinder mit ihren Eltern Moskau als »Kontingentflüchtlinge« verlassen und in der westdeutschen Provinz landen. Die Geschichte setzt ein, als Anton im Erwachsenenalter verschwindet. Aus der Zwillingseinheit gerissen sehnt Ali den Bruder herbei und versteht eine Postkarte aus Istanbul als Aufforderung zur Suche. Konventionelle Zuschreibenden stehen dabei der eigenen Identität im Weg: Geschlecht, Heimat, Sprache. »Außer sich« lässt diese Grenzen auch mittels der literarischen Machart verschwimmen: Gegenwart vermischt sich mit Erinnerung und Erzählperspektiven wechseln. Eine Familiengeschichte in Fragmenten.

Aus der Jurybegründung: »Sasha Marianna Salzmann hat mit ›Außer sich‹ ein in tiefster Weise provozierendes Romandebüt vorgelegt, das im besten Sinne anstrengend zu lesen ist. Dabei entwickelt es eine Dringlichkeit und ein Tempo, denen sich zu entziehen kaum möglich ist. Mit erfrischender Dreistigkeit stellt die junge Autorin alles, was immer klar zu sein schien, infrage. Virtuos jagt sie ihre Hauptfigur durch Istanbul und ein Kaleidoskop zwischenmenschlicher Beziehungen, in dem sich Lebens- und Identitätsbruchstücke Seite für Seite aus bunten Bausteinen immer neu zusammensetzen lassen. Bilder ohne jegliches Idyll und Klischee entstehen. Auch in den Rückblenden lässt sie den Leser spüren, dass die Fetzen, aus denen Erinnerung besteht, nie ein verlässliches Ganzes ergeben werden. Sasha Marianna Salzmann gewährt ihrer Protagonistin große innere Freiheit und Lust am Leben. Der Roman bringt den Leser dazu, eindeutige Kategorien zu verwerfen. Vielschichtig, abgründig, unangepasst, mutig. Von dieser Buchautorin würden wir gerne mehr hören.«

Sasha Marianna Salzmann, 1985 in Wolgograd geboren, aufgewachsen in Moskau, 1995 nach Deutschland emigriert, lebt in Berlin und Istanbul. Sie studierte Literatur, Theater, Medien an der Universität Hildesheim sowie Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste. Sie ist Theaterautorin, Essayistin und Dramaturgin, seit 2013 am Maxim Gorki Theater Berlin. Ihre international aufgeführten Theaterstücke sind mehrfach ausgezeichnet. »Außer sich« stand auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis und wurde bereits mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung gekürt.

Was zeichnet ihn aus, den besten Debütroman? Wie wählt eine Leserjury ihren Favoriten? Antworten auf diese Fragen, eine Laudatio und eine Lesung aus dem frisch prämierten Roman erwarten Sie an diesem Abend.

Grußwort: Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien

Laudatio: Christoph Schröder

Mit freundlicher Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg

Informationen
Datum
Dienstag, 16.1.2018
Zeit
19.30 Uhr
Eintritt
Eintritt frei
Ort
Literaturhaus

nächste Termine

Sasha Marianna Salzmann © Esra Rotthoff / Suhrkamp Verlag
16.1.
Datum:
16.1.2018
Zeit:
19.30
Uhr
Eintritt:
Eintritt frei
Ort:
Literaturhaus
Julia Rhode © Heike Kölzer
17.1.
Datum:
17.1.2018
Zeit:
19.30
Uhr
Eintritt:
12,– /10,–
Ort:
Literaturhaus
Iris Wolff © Stine Wiemann
23.1.
Datum:
23.1.2018
Zeit:
19.30
Uhr
Eintritt:
12,– /8,–
Ort:
Literaturhaus