NEWS

19.12.

»Raus! Nur raus!«-Stipendien vergeben

Cover © Junius Verlag
Cover © Junius Verlag

Kulturbehörde und Literaturhaus unterstützen literarische Recherchen mit drei »Raus! Nur raus!«-Stipendien: Der Schriftsteller Anselm Neft reist nach Japan, die Autorin Mia Raben nach Polen und die Comic-Zeichnerin Xiju Tomorrow in die USA.

Im Corona-Sommer 2020 haben die Behörde für Kultur und Medien und das Literaturhaus Hamburg im Junius Verlag den Stadtführer »Raus! Nur raus! – Unterwegs zu Lieblingsorten der Hamburger Literatur« herausgegeben. Die bisher mit dem Buchverkauf erzielten Erlöse von 18.000 Euro kommen nun den Hamburger Literaturschaffenden als Recherchestipendien zugute. Auf die erste Ausschreibung von drei Stipendien à 3.000 Euro haben sich 60 Autoren und Autorinnen sowie Comiczeichner und -zeichnerinnen mit unterschiedlichen Recherchevorhaben beworben. Die Jury hat sich für die Roman- bzw. Comic-Projekte von Anselm Neft, Mia Raben und Xiju Tomorrow entschieden. Im Sommer 2023 werden drei weitere »Raus! Nur raus!«-Stipendien ausgeschrieben.
 
Anselm Neft, geboren 1973 in Bonn, studierte Vergleichende Religionswissenschaft, Vor- und Frühgeschichte, Volkskunde sowie Philosophie. Seit 2016 lebt er als Autor und Publizist in Hamburg, wo er gemeinsam mit Nefeli Kavouras den Literaturpodcast »Laxbrunch« betreibt. 2018 las er auf Einladung von Nora Gomringer bei den Tagen der deutsch-sprachigen Literatur in Klagenfurt. 2019 erschien sein Roman »Die bessere Geschichte« bei Rowohlt, und er erhielt die Sommerresidenz der Kulturbehörde im mare-Künstlerhaus. Im Frühjahr 2022 ist sein Roman »Späte Kinder« ebenfalls bei Rowohlt erschienen. Mit dem »Raus! Nur raus!«-Stipendium möchte Anselm Neft nach Japan reisen, um Kōbe kennen-zulernen, die Heimatstadt der Hauptfigur seines neuen Romans »Ein Nachruf auf Fukuro Hayashi« und die moderne und klassische Kunst Japans zu studieren.
 
Mia Raben, geboren 1977 in Hamburg, studierte Politikwissenschaften und Europarecht, absolvierte ihren Master am Deutschen Literaturinstitut und arbeitete als freie Korrespondentin in Warschau. 2016 wurde sie zur Romanwerkstatt der Bayerischen Akademie des Schreibens im Literaturhaus München eingeladen. Das Albrecht-Lempp-Stipendium des Literarischen Colloquiums und des Polnischen Buchinstituts ermöglichte ihr einen Schreibaufenthalt in Krakau. 2022 erhielt sie das Stipendium des Künstlerdorfes Schöppingen. Mia Raben lebt als freie Journalistin in Hamburg. Das »Raus! Nur raus!«-Stipendium möchte Mia Raben nutzen, um in Łódź, der Geburtsstadt ihrer Mutter, für ihren Roman »Fallende Steine, die sich der Schwerkraft widersetzen« zur polnischen Textilindustrie recherchieren.
 
Die Comic-Künstlerin Xiju Tomorrow, geboren 1988 in Tiel (Niederlande), ist freie Zeichnerin und hat an der HAW Illustration studiert. Ihre Arbeiten mischen Comic mit freier Zeichnung, Text und Bild, philosophische Auseinandersetzung mit Schaubild, weiten den Begriff der Erzählung und Zeichnung über das Blatt hinaus in den Raum hinein. Das »Raus! Nur raus!«-Stipendium wird Xiju Tomorrow in die USA führen, wo sie an drei Standorten der NASA für ihr Comic-Projekt »Frankenstine« recherchieren möchte.
 
Informationen zur zweiten Ausschreibung der »Raus! Nur raus!«-Stipendien sind im Sommer hier auf der Website einzusehen.

12.12.

Mara-Cassens-Preis 2022 an Annika Büsing

Annika Büsing © Werner Bartsch
Annika Büsing © Werner Bartsch

Für ihren Roman »Nordstadt«, im Februar 2022 bei Steidl erschienen, wird Annika Büsing mit dem Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg ausgezeichnet.

Der Mara-Cassens-Preis wird als einziger deutschlandweit von einer ehrenamtlichen Leserinnen- und Leserjury vergeben und ist mit 20.000 Euro der höchstdotierte Preis für einen deutschsprachigen Debütroman. Im Sinne der 2015 verstorbenen Förderin Mara Cassens soll der Preis Autorinnen und Autoren eine Chance bieten, sich nach dem ersten Roman für eine gewisse Zeit ganz dem Schreiben zu widmen. Preisträgerinnen und -träger der letzten Jahre sind Emanuel Maeß (2019), Ronya Othmann (2020) und Stefanie vor Schulte (2021).

15 Mitglieder des Literaturhaus-Vereins wählten unter den insgesamt 72 eingereichten Debütromanen ihren Favoriten: Annika Büsings »Nordstadt«. Aus Nenes Perspektive wird darin vor allem die Annäherung von Nene und Boris erzählt, im Norden einer Stadt im Ruhrgebiet. Nach dem frühen Tod der Mutter wächst Nene unter der Gewalt ihres alkoholabhängigen Vaters auf, als Teenagerin wird sie vergewaltigt. Bald wird für sie das Schwimmen zum Ausweg, zum Lebensweg. Jetzt, Mitte 20, ist sie Bademeisterin. Im örtlichen Schwimmbad trifft sie immer wieder auf Boris. Boris, der an Kinderlähmung erkrankte, weil seine Mutter die Impfung verweigerte, kommt nicht so richtig zurecht, wird ausgestoßen und gemobbt. Wut und Schmerzen münden bei ihm in Verachtung für die Welt. Nene begegnet ihm mit Schlagfertigkeit, Selbstironie und unbändigem Lebenswillen, der auch eine pragmatische Überlebensstrategie birgt, um die schlimmen Erlebnisse zu vergessen. Die beiden müssen sich nicht erklären, sie sehen einander. »Nordstadt« ist genaue Milieustudie und ergreifende Liebesgeschichte zugleich – auf gerade einmal 123 Seiten.

Aus der Begründung der Jury: »Annika Büsing schafft es schon auf der ersten Seite, mit wenigen Worten eine ungemein dichte Atmosphäre zu erzeugen. In klarer, schnörkelloser Sprache – ohne viel Handlung und Spannungsbögen – erzählt Annika Büsing eine auf den ersten Blick eher spröde Liebesgeschichte, die doch von Zuneigung und Empathie getragen wird. Die beiden Charaktere Nene und Boris werden pointiert und dennoch warmherzig beschrieben. Der Autorin gelingt es, trotz der schweren Erfahrungen ihrer Protagonisten mit Leichtigkeit zu erzählen. Sie bewahrt auch angesichts der rauen Umgebung Humor und erschreibt ihren Figuren, die Schäden vom Leben davongetragen haben, eine große Kraft. Vor allem die Hauptfigur Nene ist stärker als ihr Schicksal. Büsing lässt Leerstellen, um die Sätze umso eindrucksvoller wirken zu lassen. Bei aller Dramatik vermittelt der Roman einen schönen Blick auf die Welt. Zart und zugleich schnodderig, das ist große Poesie. ›Nordstadt‹ ist ein ganz und gar ungewöhnliches, ein großartiges Debüt. Ein Buch mit höchstem literarischen Anspruch, das uns Leserinnen und Leser mit seiner Freude an der Sprache angesteckt hat. Wir freuen uns auf die nächsten Texte von Annika Büsing.«

Annika Büsing ist Lehrerin für Deutsch und Religion an einem Gymnasium. Sie lebt nach Aufenthalten im Ausland und ihrem Referendariat in Hamburg mit ihrer Familie in ihrer Heimatstadt Bochum. Ihr auch von der Kritik gelobter Roman »Nordstadt« wurde bereits mit dem Literaturpreis Ruhr 2022 ausgezeichnet und war für den Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals sowie den Bayerischen Buchpreis nominiert. Ihr neuer Roman »Koller« erscheint bei Steidl im Februar 2023.

Der Mara-Cassens-Preis wird am 11. Januar 2023 feierlich im Literaturhaus Hamburg verliehen. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda spricht ein Grußwort, Annika Büsing liest aus ihrem Roman. Die Laudatio hält der Autor und Kabarettist Frank Goosen, Holger Cassens vertritt die Mara und Holger Cassens Stiftung. Die öffentliche Veranstaltung ist ausgebucht, ein kostenfreier Livestream auf dem YouTube-Kanal des Literaturhauses ist geplant.

08.12.

Lektüreempfehlungen vom Gemischten Doppel

Sie sind auf der Suche nach geschenktauglichen Büchern? Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz helfen weiter und empfehlen die besten Bücher der Saison. Auch Buchhändler Stephan Samtleben steuert einen Buchtipp bei.

Annemarie Stoltenberg empfiehlt:

  • Johannes V. Jensen: »Neue Himmerlandsgeschichten«, Übersetzung: Ulrich Sonnenberg. Guggolz, € 25,–
  • Tania Blixen: »Babettes Gastmahl«. Manesse, € 20,–
  • Maggie O’Farrell: »Porträt einer Ehe«, Übersetzung: Thomas Bodmer. Piper, € 24,–
  • Paul Smith: »Bäume«, Übersetzung: Tobias Rothenbücher. DuMont, € 48,–
  • Marin Montagut: »Verborgene Schätze in Paris«, Übersetzung: Annika Klapper. DuMont, € 32,–
  • Felicitas Hoppe: »Gedankenspiele über die Sehnsucht«. Droschl, € 10,–
  • Friedrich Ani: »Bullauge«. Suhrkamp, € 23,–
  • John Lewis-Stempel: »Das geheime Leben der Eule«, Übersetzung: Sofia Blind. DuMont, € 20,–

Rainer Moritz  empfiehlt:

  • Sandra Kegel (Hrsg.): »Prosaische Passionen«. Manesse, € 40,–
  • Nigel Slater: »A Cook’s Book«, Übersetzung: Sofia Blind. DuMont, € 42,–
  • Leïla Slimani: »Schaut, wie wir tanzen«, Übersetzung: Amelie Thoma. Luchterhand, € 22,–
  • Alex Schulman: »Verbrenn all meine Briefe«, Übersetzung: Hanna Granz. dtv, € 23,–
  • Andreas Bernard: »Wir gingen raus und spielten Fußball«. Klett-Cotta, € 20,–
  • Werner Irro (Hrsg.): »Nicht irgendwo und irgendwie zu sein, sondern nur hier. Hamburg literarisch«. Ellert & Richter, € 25,–
  • Michael Seufert; Michael Zapf: »Die Bille«. Ellert & Richter, € 30,–
  • Mary Beth Keane: »Mit dir bis ans andere Ende der Welt«, Übersetzung: Heike Reissig. Eisele, € 24,–
  • Cormac McCarthy: »Der Passagier«, Übersetzung: Nikolaus Stingl. Rowohlt, € 28,–

Stephan Samtleben empfiehlt:

  • Peter Cameron: »Was geschieht in der Nacht«, Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence. Liebeskind, € 24,–

Titelliste (PDF)

Weitere Geschenkideen finden Sie hier.